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Dienstag, 02. April 2019

Christen aus aller Welt bei uns zu Hause

Dr. Kizito Chinedu Nweke referierte über Afrika

Afrika ist auch wegen seiner Tierreservate bei Deutschen ein beliebtes Reiseziel. Von ‚einem‘ Reiseland zu sprechen, wäre jedoch völlig verfehlt, denn der Kontinent besteht heute aus 54 Ländern und hat ungefähr 1,21 Milliarden Einwohner, die ungefähr 2000 verschiedene Sprachen sprechen. Deshalb kann alles, was man über Afrika zu wissen meint, sowohl zutreffend, als auch völlig unzutreffend sein, wie Dr. Kizito Chinedu Nweke gleich eingangs in seinem Vortrag über Afrikas Geschichte und die Rolle der Kirche betonte.

Es war der erste Vortrag einer ganzen Reihe über Christen aus aller Welt, die Herr Wunibald Kippenberger mit der Kolpingsfamilie organisiert hatte. Zusammen mit Präses Karl August Wendel begrüßte er den Referenten.

Dr. Nweke kommt aus Nigeria und gehört dem Stamm der Igbo (über 40 Mio) an, die zu 90 % Christen sind. Er ist Priester in Heidelberg und betreut eine Gemeinde in Mannheim. Dass ihm auch der interreligiöse Dialog wichtig ist, zeigte sich in seinem gut dokumentierten Vortrag.

Wie unendlich groß Afrika ist, nämlich größer als die USA, China, Indien, Japan und ganz Europa zusammen, wurde den Zuhörern gleich mit dem ersten Schaubild verdeutlicht. Die schiere Größe bedeutet natürlich auch eine große Unterschiedlichkeit, ja sogar Gegensätzlichkeit der politisch-ökonomischen Strukturen und Lebensweisen. Der Blick auf Afrika, so folgerte Dr. Nweke, ist daher zu sehr vereinfacht. Diese Vereinfachung ist seiner Meinung nach auch die Folge historischer Ereignisse, die er rückblickend kommentierte. Dieser Rückblick auf 400 Jahre afrikanische Geschichte machte die Zuhörer sehr betroffen, erinnerte er sie doch an 400 Jahre Grausamkeit durch Sklavenhandel und Kolonisierung, deren Auswüchse ihnen in erschreckenden authentischen Bilddokumenten vor Augen geführt wurden. Es ging um Besitz, Eroberung und Ausbeutung, die Beherrschung und Aufteilung riesiger Gebiete durch die Europäer.

Welche Rolle spielte aber nun die Kirche dabei?

Die Missionstätigkeit, so Dr. Nweke, war mit der Kolonisierung verbunden, denn die Kolonisierungsmentalität ebenso wie die Missionierungsmentalität beruhte auf dem Prinzip der Überlegenheit der weißen Europäer. In der Zielrichtung gab es einen Unterschied: Während die Kolonisatoren die Afrikaner quasi als Untermenschen betrachteten, sahen die Missionare sie als ‚unreife Kinder, deren arme Seelen gerettet werden mussten‘. Selbst für Albert Schweitzer konnte ein Afrikaner nur ein ´jüngerer´ Bruder sein. Die Rolle der Kirche sei zwar noch nicht eindeutig geklärt, aber sie habe sich geschadet, bilanzierte Dr. Nweke.

Wie stellen sich Christentum und Kirche heute dar?

Heute geht es in der Zusammenarbeit von Gemeinde und Kirche darum, eine Theologie zu entwickeln, die der christlichen Botschaft Rechnung trägt und zu ihr passt. So stellen auch die Gottesdienste der afrikanischen Gemeinden in ihrer fröhlichen Andersartigkeit eine spirituelle Beziehung her und sollten nicht als ´entertainment´ (Unterhaltung) angesehen werden.

Welchen Einfluss und welche Zielrichtung hat die Kirche in Nigeria?
Sie ist sehr aktiv in der Bildung. Ihre Schulen sind sehr gefragt und gut besucht.
Mit der zusätzlichen Arbeit von Ordensschwestern kommt dabei auch ein karitativer Aspekt zum Tragen.
Allerdings bringt der Versuch, politischen Einfluss zu nehmen, die Kirche auch in zu nahen Kontakt mit der Politik und sie ist auch in Korruptionsfälle verwickelt. Auf der anderen Seite mischt sich die katholische Kirche nicht in Parteienpolitik ein, hat aber dadurch zu wenig soziale Relevanz, weil die Menschen in ihrem politischen Kampf von der Kirche unterstützt werden wollen.

Zum Abschluss seines Vortrags formulierte Dr. Nweke ein paar ´bescheidene Erwartungen´: Da Afrika wegen seiner politisch/strukturellen Probleme grundsätzlich nicht durch den Geldbeutel gerettet werden könne, wünscht er sich neben Spende-Möglichkeiten an Hilfsorganisationen ein zielgerichtetes Spenden, d.h. die direkte Unterstützung von Menschen in persönlichen Kontakten, z.B. durch einen Beitrag für ihre Schulung und Ausbildung.

Der Vortrag vermittelte der Zuhörerschaft ein lebendiges und differenziertes Afrikabild, wofür sich Präses Wendel mit einem kleinen Gastgeschenk herzlich bedankte.

Ursula Päßler

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