Zur Landkarte Bistum

Informationen

Gemeinden

In dieser Übersicht finden Sie alle Gemeinden, die zur Pfarrei Hl. Edith Stein in Ludwigshafen gehören.

St. Albert

mehr Infos


Maria Königin

mehr Infos


St. Martin

mehr Infos

Donnerstag, 25. April 2019

Christen aus aller Welt bei uns zu Hause

Herr Ton-Vinh-Trinh-Do referierte über vietnamesische Christen in Deutschland und ihre Glaubensgeschwister in Vietnam

Beim dritten Vortrag der Kolpingsfamilie über Christen in aller Welt, organisiert von Herrn Wunibald Kippenberger, wurde manchem Zuhörer erst richtig bewusst, dass Christen nicht nur gastlich in dieser Welt aufgenommen werden, sondern dass sie immer wieder Repressalien ausgesetzt sind und an vielen Orten unter schwierigen Bedingungen leben.

Herr Trinh-Dos Vortrag machte dies noch einmal besonders deutlich.

Wie schon seine Vorgänger eröffnete er uns aber auch neue Horizonte und vermittelte die grundlegenden Säulen des Christentums, das Fundament christlichen Lebens und Glaubens in dreifacher Weise: in Wort, Bild und Musik.

Was wissen wir eigentlich über Vietnam, das uns heute mit bunten Bildern in vielen Reiseprospekten als lohnendes Ziel präsentiert wird?

Wer denkt da noch an den Vietnamkrieg und seine Folgen, an die ‚Boat People‘, die – wie viele Flüchtlinge heute – auf kleinen überfüllten Booten dem Elend und der Verfolgung in ihrem Heimatland zu entfliehen versuchten, so wie Herr Trinh-Do?

Kann man bei dem vielen Leid, das man dabei erlebt, noch Gottvertrauen haben?

Ja - sagt Herr Trinh-Do und er schickt seinem Vortrag das in Vietnam allgemein bekannte Lied ‚Dank sei Dir, o Herr‘ voraus, intoniert es auf dem Keyboard und wird dabei von Frau Mona Rogalski mit der Violine begleitet.

Er, so meint er, habe besonderen Grund zur Dankbarkeit, denn mit Hilfe katholischer Schwestern gelangte er 1979 nach Speyer und wurde zusammen mit einem anderen vietnamesischen Kind von einer Pflegefamilie mit fünf eigenen Kindern aufgenommen. Heute arbeitet er als Sozialpädagoge in der Sozialpsychiatrie und betreut für den Caritas-Verband Menschen in Not - ohne Ansehen der Person und der Religion. Er ist auch stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes der vietnamesischen Flüchtlinge in Deutschland und setzt sich mit großem Engagement auf vielen Ebenen auch für die Christen in der Heimat ein.

Rückblick auf mehr als 40 Jahre Geschichte

Als schwärzesten Tag in der Geschichte Vietnams benennt Herr Trinh-Do den 30. April 1975. Als der blutige Vietnamkrieg nach fast 20 Jahren mit dem Abzug der amerikanischen Soldaten beendet schien und die Welt aufatmete, fiel Südvietnam an diesem Tag in die Hände der kommunistischen Machthaber von Nordvietnam - mit schrecklichen Folgen für die Bevölkerung: Hunderttausende Südvietnamesen wurden verhaftet und in sogenannte ‚Umerziehungslager‘ gesteckt, Millionen Menschen umgesiedelt in sogenannte ‚neue Wirtschaftszonen‘, was einer Zwangsvertreibung gleichkam. Geistige und religiöse Freiheit wurden unterdrückt, die Menschenrechte mit Füßen getreten.

1,6 Mio Vietnamesen flohen ins Ausland, viele per Boot über das Südchinesische Meer (Boat People).

Eine erste Videosequenz illustrierte die Schrecken dieser Zeit und die Proteste der Zivilgesellschaft, die in Vietnam unbeirrt für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte demonstrierte, auch wenn ihre Stimmen zunächst unterdrückt wurden.

1976 schließlich wurden Nord- und Südvietnam zur Sozialistischen Republik Vietnam erklärt.

Aktuelle Situation der vietnamesischen Christen heute

In Vietnam sind 10 % der Bevölkerung Christen. Vom 4. bis 8. Januar 2019 kam es zu einem Landraub mitten in Saigon. 50 000 qm Land wurden Christen innerhalb einer Woche widerrechtlich weggenommen, Schulen und Privathäuser zerstört, Christen und Menschenrechtler inhaftiert. Christen gelten als Aufrührer und Unruhestifter, von denen eine Gefahr ausgeht. Eine Gerichtsverhandlung mit unabsehbarem Ende ist im Gange. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, etliche Bundestagsabgeordnete ebenso wie Kirchenvertreter, darunter Kardinal Reinhard Marx, haben dagegen protestiert und die Einhaltung der Menschenrechte eingefordert. Das EU-Parlament wurde gebeten, ein Freihandelsabkommen mit Vietnam nur zu unterschreiben, wenn die Menschenrechte garantiert werden.

Sie alle und auch wir haben Zeichen der Verbundenheit gesetzt. Eine zweite Videosequenz dokumentierte die Verwüstungen in Saigon und die Solidaritätsbekundungen von deutscher Seite.

In Deutschland leben ca. 150.000 vietnamesische Christen, darunter insgesamt 20.000 Katholiken in allen Diözesen (u.a. Erzdiözese Freiburg, Bistümer Speyer, Mainz, Limburg).

Die Vietnamesen leben ziemlich unauffällig in Deutschland, haben sich offenbar gut integriert, pflegen aber einen intensiven Kontakt mit der Heimat.

Das Pfingstfest feiern die vietnamesischen Katholiken drei Tage lang mit einem zweisprachigen Gottesdienst in Gemeinschaft mit Vertretern der deutschen Bischofskonferenz und Menschen aus ganz Europa. Die fröhlich-bunten Bilder dieses Gottesdienstes in Haßfurt bildeten einen hoffnungsvollen Gegenpol zum Leid und der Unterdrückung der Christen,  die in subtiler Form noch fortbesteht.

Auch in Mannheim werden in der St. Pius-Kirche regelmäßig Gottesdienste gefeiert.

Nach dem abschließenden Vater unser in vietnamesischer Sprache dankte Diakon und Präses Karl August Wendel Herrn Trinh-Do in Abwandlung des Eingangsliedes mit den Worten: „Dank sei Dir, o Referent! Möge Dein Gottvertrauen auf uns überspringen!“

Ursula Päßler

Anzeige

Anzeige